Wir lernen GEIG(e) spielen – hier erfahren Sie alles zum Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz

Es ist beschlossene Sache – GEIG (Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz) wird in Zukunft eine Geige beim Aufbau von Lade- und Leitungsinfrastruktur für Elektromobilität in Gebäuden spielen. Wir wollen in unserem Beitrag aufklären, was das seit 5. März 2021 auf den Weg gebrachte Gesetz genau bedeutet, welche Rahmenbedingungen die darin enthaltenen Beschlüsse in Sachen Elektromobilität schaffen und welche Änderungen und Herausforderungen GEIG mit sich trägt.

Ein kurzer Exkurs zur Begriffserklärung „Leitungsinfrastruktur“ mit Hilfe eines Auszuges aus dem GEIG Gesetz:

„Leitungsinfrastruktur“, § 2 Nr. 10 = „Gesamtheit aller Leitungsführungen zur Aufnahme elektround datentechnischer Leitungen oder im räumlichen Zusammenhang von Gebäuden vom Stellplatz über den Zählpunkt eines Anschlussnutzers bis zu den Schutzelementen“.

(Quelle: BMWi 20.03.2021)

Da auch für uns Gesetze recht „trocken“ klingen und meist wahnsinnig vielfältig ertönen, haben wir einen Versuch gestartet, Ihnen GEIG mit musikalischen Formulierungen näher zu bringen.

Für wen spielt GEIG eine Geige?

GEIG spielt neben Bau- und Immobilienunternehmen, Städten und Kommunen auch für die Wohnwirtschaft eine wichtige Rolle. Denn alle Genannten sind mit GEIG zur Erfüllung kommender gesetzlicher Anforderungen verpflichtet. Und auch für uns als anbietendes Unternehmen von Elektromobilitätslösungen spielt GEIG eine wichtige Rolle. Wir treten mit dem Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur in Deutschland an Standorte und Gebäude, die bereits unter Beachtung und Umsetzung der Anforderungen die Gegebenheiten für die Installation einer Ladesäule erschlossen haben: Eine entsprechende Leitungsinfrastrukur. Ein Teil des Notenblattes des Symphonie-Orchesters ist geschrieben und wir müssen „nur noch“ den Geigensound in die Ladesäulen hineinspielen.

Warum ein neues Notenpapier – GEIG?

Um das Ziel aus dem Klimaschutzprogramm der Bundesregierung, bis 2030 sieben Millionen Elektrofahrzeuge zugelassen zu haben, erfüllen zu können, bedarf es einer Ladeinfrastruktur mit ausreichenden Ladesäulen, auch an und in Gebäuden. Daher das Notenpapier GEIG. Das Gesetz sieht mehr Ladeinfrastruktur an Gebäuden vor und ist damit eine Pflicht zur Errichtung von Leitungsinfrastruktur. Es regelt, dass für alle neuen und renovierungsbedürftigen Gebäude mit größeren Parkplätzen die notwendige Leitungsinfrastruktur zu erschließen ist. Damit schafft es die Voraussetzung, dass alle privat ladenden E-Autofahrer*Innen (85%) zu Hause bei der Mietwohnung, bei Besorgungen oder am Arbeitsplatz das Fahrzeug laden können.

Mit unserer gewählten musikalischen Metapher erklärt: Wie bei einem Orchester braucht es für alle Mitspielenden ein Notenpapier, das die jeweiligen Instrumentnoten vorgibt – auch für die Geige. Spielen alle Instrumente einheitlich und fehlerfrei mit, erklingt eine harmonische Symphonie. Eine Elektromobilitätssymphonie.

Was beinhaltet GEIG – Note für Note?

Laut Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) ist es Ziel von GEIG, den „Ausbau der Leitungs- und Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität im Gebäudebereich zu beschleunigen“ und aber gleichermaßen die „Bezahlbarkeit des Bauens und Wohnens“ zu bewahren (Quelle: BMWi – Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz (GEIG)). Das heißt konkret, dass wenn ein neues Gebäude in die Bauplanung geht, so geplant und die Umsetzung so vorbereitet werden muss, dass Platz für Elektromobilität vorhanden ist und entsprechend bei Renovierungen hinzugefügt werden soll. Das GEIG Gesetz geht sogar so weit zu definieren, ab wie vielen Stellplätzen Schutzrohre für Elektrokabel zu verlegen sind.

Ein paar Noten tanzen aus der Reihe

Das Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz lässt, wie viele andere Gesetze auch, Ausnahmen zu. KMU-Gebäude, die im Besitz von KMU-Unternehmen mit entsprechender Größe (max. 249 Beschäftigte), einen von der EU-Kommission definierten Jahresumsatz von höchstens 50 Millionen Euro oder eine Bilanzsumme von maximal 43 Millionen Euro haben, betrifft die Verpflichtung den Anforderungen des Gesetzes Folge zu leisten, nicht. Außerdem greift GEIG nicht bei Bestandsgebäuden, wenn die Lade- und Leitungsinfrastruktur mehr als sieben Prozent der Gesamtkosten einer größeren Renovierung des Gebäudes kosten würden. Und zuletzt, auch nicht bei öffentlichen Gebäuden, wenn sie bereits vergleichbare Anforderungen erfüllen müssen, die bereits zum Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (Alternative Fuels Infrastructure Directive AFID) dienen.

Ein GEIG(en) Fazit

So eine Symphonie ist umfangreich und wir lernen, es bedarf vieler Orchesterinstrumente und Mitspielenden mit eigenen Notenblättern, um eine Symphonie erklingen lassen zu können. Die Elektromobilitätssymphonie wurde zwar auf ein weiteres Notenblatt geschrieben, doch sind noch nicht für alle Spielenden die Notenblätter parat, sodass das Orchester noch nicht harmonisch erklingen kann. Mit viel Übung und entsprechender Überarbeitung einiger möglicherweise schiefer Töne ist man aber bereits auf gutem Wege.

Wir haben einige relevante Punkte aus dem GEIG Gesetz in unserem neuen EWE Go Quick Check für Sie zusammengefasst:

  • Neubau von Wohngebäuden mit mehr als 5 Stellplätzen müssen Leitungsinfrastruktur berücksichtigen
  • Nicht-Wohngebäude mit mehr als 6 Stellplätzen müssen für jeden 3. Stellplatz Leitungsinfrastruktur vorsehen, ab 20 Stellplätzen muss ab 2025 ein Ladepunkt aufgebaut werden
  • Ausnahme Nicht-Wohngebäude, die im Besitz von KMU sind und durch diese selber genutzt werden
  • Ausnahme Renovierung von Bestandsgebäuden, wenn die Kosten für Lade- und Leitungsinfrastruktur 7% der Gesamtrenovierungskosten übersteigen
  • ausgenommen Ein- und Zweifamilienhäuser

 

Haben Sie Fragen zu GEIG? Dann schauen Sie gerne auf der Webseite des BMWi vorbei oder schicken Sie uns eine Nachricht.

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23.12.2022 | Magazin, Elektromobilität